Moderne und unbekannte Frühlings-Gedichte

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Schöne Gedichte, die vom Frühling erzählen, von Wärme und von Blumen, von Liebe und Hoffnung. Von bekannten und unbekannten Dichtern.

Als es noch keine Blume gab

Als es noch
keine blume gab
keinen vogel
und keinen baum -
da war schon der rand da
zwischen sein und nicht-sein -
die liebe.

- © IIrena Stasch, Essen -

Diese zauberhafte Wiese

Diese zauberhafte wiese
mit all ihren
bunten blumen und gräsern
mit all ihren
windspielen
und zarten düften
möchte ich dir
wie einen grossen
blumenstrauss
schenken.

- © Irena Stasch, Essen -

Hier veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung von Irena Stasch.

Quelle: deutsche-liebeslyrik.de

Was immer gelöscht wird

Was immer gelöscht wird,
wenn ein neues Jahr sich entzündet,
formt der Himmel auf Erden.
Doch leise blüht es sich durch die Zeit
bis zum nächsten Winter.

- © Monika Minder -

Nach Frühling dürstet meine Seele

Nach Frühling dürstet meine Seele
Sie möchte fliegen mit dem Sinn
Wie Knospen neue Orte sehen
Und blühen bis zum Himmel hin.

- © Monika Minder -




Wenn die Blätter grünlich werden

Wenn die Blätter grünlich werden
Und ein lauer Wind sie spielt,
Stärker strahlt auf Erden
Ein helles Lichtgefild,
Vernehmen auch die Herzen wieder
Den Wechsel der ewigen Wende.
Blumen und Lieder
Legt der Frühling sanft in deine Hände.

- © Monika Minder -




Lenzsymptome sind erwacht

Jetzt entdeckt die Erde den Himmel wieder
Und säuselt ihm von Lustbarkeiten.
Dieser singt ihr heitre Lieder
Und brummt von Kostbarkeiten.

Lenzsymptome sind erwacht
Natur und Mensch sind in der Brunst.
Sogar die Katze lacht
Und wirbt um ihre Gunst.

- © Monika Minder -




Tauch in neue Düfte ein

Tauch in neue Düfte ein
Der Lenz zieht seine Bahnen.
Höre, wie die Vögel schrein
Und fröhlich durch den Himmel fahren.

- © Monika Minder -




In jedem Anfang

In jedem Anfang
Liebt sich ein neues Leben,
Lebt der Hang
Zum Leben und zum Sterben.

An jedem neuen Morgen
Wird Zeit zur Gegenwart,
Was am Anfang noch verborgen,
Wird in deinen Möglichkeiten offenbart.

- © Monika Minder -





Klassische unbekanntere Frühlingsgedichte
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Der Frühling blüht


Der Frühling blüht! Herz – war es je so schön?
Lag je ein solcher Schimmer auf den Höhn
Und in den Tälern solch ein lieber Glanz?
Ein jeder Baum trägt seinen Blütenkranz -
Auch du, mein Haupt, willst unter grünen Zweigen
Dich ahnungsvoll dem Glück entgegen neigen!

Die beiden Hände drück' ich auf die Brust -
Ist's Schmerz, der drinnen lodert, ist es Lust?
Ach, wunderlich verwoben und verwebt
Ist Beides mir, und meine Sehnsucht
Darüber hin, aus dieses Frühlings Zagen
In der Erfüllung Frieden mich zu tragen.

- Anna Ritter 1865-1921, deutsche Dichterin, Schriftstellerin -




Frühlingsstimmung

Wenn Frühlingswärme mit dem linden Weste,
Der kosend um erwachte Knospen webt,
Die Brust der jungen Erde schwellend hebt,
Verschwenderisch, als reichbeschenkte Gäste,

Lädt sie uns ein zu ihrem Liebesfeste.
Und gläubig öffnet sich, an Hoffnung reich,
Die Seele, dem erblühten Baume gleich,
Der rosig streckt zum Himmel seine Äste.

Dir gilt mein Liebesfest! Du bist die Sonne,
Ein Baum bin ich, der ganz in Knospen glüht
Und überschwillt in des Erblühens Wonne,

Um in der Liebe Licht sich einzutauchen,
Das lebensspendend dir im Auge sprüht,
Wenn Deine Lippen Frühlingswärme hauchen.

- Rosa Mayreder 1858-1938, österreichische Schrifstellerin -




Der Frühling naht

Der Frühling naht, die holde Zeit,
Schon kommt sie mit Gewalt,
Mit Veilchenduft und Lerchenschlag
Und grün wird Au' und Wald.
Auch mir im Herzen grünt empor
Der Hoffnung frohes Wort, -
Ich hoff' auf sonnenhelle Zeit,
Ich hoffe fort und fort!

Und über aller Frühlingspracht
Da lacht der Himmel blau,
Er strahlt so hell und spiegelt sich
Im Bache auf der Au'. -
Und Osterglockentöne ziehn
In meine Seele ein -
Ich glaub' an dich und an dein Wort,
Weil du der Himmel mein!

Und Frühlingshauch und Frühlingsglück
Auf jedem Halm sich wiegt,
Bis dass die Welt in Sommerspracht,
Im Rosenschimmer liegt.
Ich lieb' dich, meine Liebe ist
Der Welt gleich, gross und weit -
Du bist die Sonne, die mir giebt
Die schönste Rosenzeit.

- Eufemia von Adlersfeld-Ballestrem 1854-1941, deutsche Schriftstellerin -




Frühling

Frühling.
Ein erstes Blühen
In zarten Frühen,
Vom Himmelssaum
Ein Stern noch schaut.
Ein Lercheschlag
Im stillen Raum,
Weit vor Tag
Und sonst kein Laut.
O Liebe.

- Georg Heym 1887-1912, deutscher Schriftsteller -




Frühling, vollen! vollen

Frühling, vollen! vollen
Liebesüberfluss!
Mehr als Herzen wollen,
Strömenden Genuss!

Wonnen mehr, als schwellen
Wünsche meine Brust,
Ungezählte Wellen,
Ungemessne Lust!

Mir nicht Sonnenstrahlen,
Sondern Sonnenglut,
Mir nicht Taues Schalen,
Sondern Meeres Flut!

Mir nicht ferne Grüsse,
Mir nicht leisen Blick,
Sondern heisse Küsse,
Ketten ums Genick!

Nicht die halben Lippen,
Sondern vollen Tausch,
Nicht des Bechers Nippen,
Sondern ganzen Rausch!

Rötlich angeglommen
Sei nicht Luftazur,
Eine Glut verschwommen
Morgenrot und Flur!

Nicht ein knospend Ringen,
Sondern voller Flor,
Nicht vereinzelt Klingen,
Sondern voller Chor!

Nicht verzagte Blätter,
Sondern buntes Grün,
Wechselreich Geschmetter,
Durcheinanderblühn!

Rosen an dem Stocke
Meiner Lust so viel,
Dass sich mag die Flocke
Nehmen Ost zum Spiel.

Immer neu beflissen
Knospen anzugehn,
Dass wir nicht vermissen,
Die wir sterben sehn.

Immer neu Gefieder,
Immer neuen Schall,
Tausendfache Lieder,
Gleich der Nachtigall!

Dass die Rose lauschen
Mag mit halbem Ohr,
Eins sie muss berauschen,
Wenn sie eins verlor.

- Friedrich Rückert 1788-1866, deutscher Dichter -




Erster Frühlingsglaube

O erster Frühlingsglaube, Liebesfülle,
Die in den österlichen Lüften schwebt!
Und welcher Reichtum nach des Winters Stille
Aus unsern eignen Herzen sich erhebt!

Mir ist, als gäb's von nun an keine Leiden
Und unser Weg sei wie der Sel'gen Flur.
Denn selbst dass du mich kränktest, wird uns Beiden
Zum festern Grund für unsre Liebe nur.

- Frieda Port 1854-1926, deutsche Lyrikerin, Übersetzerin -




Die Knospen schwellen

Verhüllt und verschleiert der Berge Pracht,
kein Licht auf der schweren Zypressen Nacht,
nur die Knospen an starrenden Zweigen
stehen verhüllt und schweigen.

Sie schweigen von blauender Lenzeszeit,
sie wachsen hinein in die Seligkeit,
die Knospen schwellen und schweigen!

Kommt endlich die Nacht, da in Liebesarm
am Berghang ich lehne, so selig-warm,
unter goldnen Orangenzweigen?
Und die Blüten schlagen die Augen auf -
und es schauert ein leuchtender Lenz herauf?

Die Knospen schwellen und schweigen!

- Hermione von Preuschen 1854-1918, deutsche Dichterin -




Lenzlied

Lache hernieder
Leuchtender Stein -
Frühling, zieh' wieder
Über den Rhein!
Stoss in dein Goldhorn und wecke den Schall,
Jauchzendes Echo allüberall.

Rieselnde Bronnen
Wecke dein Strahl,
Im Licht der Sonnen
Lache das Thal!
Hoch von des Bergwalds finsteren Höhn
Lass deine maigrünen Banner wehn.

Wild in Gewittern
Stürme voll Lust,
Jauchzen und Zittern
Weck' in der Brust.
Durch Regenschauer, durch Tauwind feucht
Sprüh' deiner Blitze blaues Geleucht.

Nun glühn die Wogen
Im Rosenschein,
Ein Regenbogen
Steht überm Rhein.
Siehe! Durch Thränen lächelnd - besiegt,
Schauernd die Erde zu Füssen dir liegt.

- Theresa Gröhe (Ps. T. Resa) 1853-1929, deutsche Dichterin -



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